Passenger für Rails-3-Entwicklung

Wie man den Phusion Passenger für die Entwicklung benutzt wurde schon an einigen Stellen beschrieben. In Verbindung mit Rails 3 gibt es eine kleine Falle. Folgt man diesen Anleitungen, wird die eigene Rails-3-Anwendung immer im Production-Mode laufen. Grund dafür ist die config.ru-Datei im Hauptverzeichnis der Anwendung. Damit erkennt Passenger die Anwendung nicht als Rails- sondern als Rack-Anwendung. Die Lösung des Problems ist einfach. Man benennt die Datei um, damit Passenger es nicht mehr für eine Rack-Anwendung hält. Möchte man aus irgendeinem Grund, diese Datei nicht nicht anfassen, muß man Passenger mitteilen, daß es die Rack-Anwendung im Development-Mode starten soll. Dazu muß man in der Apache-Konfiguration folgende Zeile einfügen:

RackEnv development

Damit sollte die Anwendung nach dem Restart auch tatsächlich im Entwicklungsmodus laufen.

Es ist alles eine Ansichtssache

Wir stellen in der Firma derzeit Teile unserer alten Software auf eine hippe und coole Rails-Anwendung um. Solange unsere Anwendung nicht fertig ist, muß die alte und die neue Software parallel laufen und auf die gleichen Daten zugreifen können. Da wird die alte Software nicht ändern können und wollen, muß sich Rails entsprechend anpassen. Wir sind ja agil, oder? Ich hätte natürlich die Tabellen gerne möglichst Rails-konform, doch die alten Daten strotzen nur so vor Altlasten: unverständliche oder irreführende mixed-case Namen. Kombiniert man das mit PostgreSQL, hat man ein Problem, da der PostgreSQL-Adapter in Rails die Namen nicht quotet, was PostgreSQL dazu veranlaßt, alle Namen in Kleinbuchstaben zu verwandeln.

Meine Lösung dieses Problems verwendet einige relativ selten genutzte Features von PostgreSQL (andere DBMSse werden vermutlich entsprechende Äquivalente dazu haben). Schemas, Views und Rules. Anfangs wollte ich mit einer sauberen leeren Datenbank anfangen und dann mit Rails Migrations meine Tabellen anlegen. Dies hätte jedoch den Zugriff auf die vorhandenen Tabellen jedoch erheblich erschwert. Ich konnte jedoch auch nicht einfach meine Tabellen in die vorhandene Datenbank reinwerfen, da Rails dann über diese alten Tabellen stolperte und nach entsprechenden Modellen suchte. Die Lösung waren Schemas. Standardmäßig legt PostgreSQL alle Tabellen in einem Schema namens public. Ich legte für meine Anwendung einfach ein eigenes Schema an und wies den Rails DB-User an, standardmäßig in diesem Schema zu suchen.

CREATE ROLE myrailsuser WITH LOGIN PASSWORD 'myrailspass';
CREATE SCHEMA myschema AUTHORIZATION myrailsuser;
ALTER ROLE myrailsuser SET search_path TO myschema,public;

Um sicherzugehen, daß auch Rails immer schön brav in diesem Schema arbeitet und nicht über die durchgezogene weiße Linie fährt, habe ich in der environment.rb folgendes Angegeben:

config.active_record.table_name_prefix = "myschema."

Jetzt konnte ich wie gewohnt mit Migrations in Rails arbeiten und mich vorerst nicht weiter um die alten Tabellen kümmern.

Irgendwann kam es jedoch, wie es kommen mußte, ich mußte auf Daten aus einer der alten Tabellen zugreifen. In meinem Fall waren es die Benutzer, die ich benötigte, um ein Login zu bauen. Die für mich relevanten Felder in der alten Tabelle sehen so aus: (ich habe knapp ein Dutzend uninteressanter Felder hier weggelassen)

                 Table "public.TBLMitarbeiterSTM"
     Column     |            Type             |     Modifiers
----------------+-----------------------------+--------------------
 Personalnummer | integer                     | not null default 0
 Vorname        | character varying(50)       |
 Name           | character varying(50)       |
 E-Mail         | character varying(50)       |
 Passwort       | character varying(10)       |
 Loginname      | character varying(20)       |
 Level          | integer                     |
 inaktiv        | boolean                     |

So wird Rails damit nichts anfangen können. Die Lösung ist ein View:

CREATE OR REPLACE VIEW myschema.users AS
  SELECT "TBLMitarbeiterSTM"."Personalnummer" AS id,
    "TBLMitarbeiterSTM"."Vorname" AS first_name,
    "TBLMitarbeiterSTM"."Name" AS last_name,
    "TBLMitarbeiterSTM"."E-Mail" AS email,
    "TBLMitarbeiterSTM"."Loginname" AS login,
    "TBLMitarbeiterSTM"."Passwort" AS password,
    "TBLMitarbeiterSTM"."Level" AS level
  FROM public."TBLMitarbeiterSTM"
  WHERE NOT "TBLMitarbeiterSTM".inaktiv OR "TBLMitarbeiterSTM".inaktiv IS NULL;
GRANT SELECT ON myschema.users TO myrailsuser;

Damit ist Rails glücklich und akzeptiert den View als Grundlage für ein Modell. Das Modell muß natürlich von Hand angelegt werden und nicht über das generate-Skript:

class User < ActiveRecord::Base
end

Das war’s auch schon. Das Modell kann nun auf die Daten zugreifen, als wäre es eine ganz normale Tabelle.

Gerade als ich mir das wohlverdiente Guinness zum vorgezogenen Feierabend holen wollte, kam mir die Idee, daß es doch ganz toll wäre, könnte das Modell auch die Daten ändern und neue Daten hinzufügen. Dies ist mir auch fast gelungen.

Ein View ist eine Einbahnstraße. Ich kann daraus nur lesen. Glücklicherweise kann man hier mit Rules ein wenig tricksen. Eine Rule kann eine Operation auf eine Tabelle oder View abfangen und stattdessen etwas ganz anderes tun. Ich habe meine Rules angewiesen, Schreiboperationen auf den View abzufangen und stattdessen auf die richtige Tabelle zu schreiben.

DROP RULE IF EXISTS users_upd ON myschema.users;
CREATE RULE users_upd AS ON UPDATE TO myschema.users
  DO INSTEAD
  UPDATE public."TBLMitarbeiterSTM"
    SET "Vorname" = NEW.first_name,
        "Name" = NEW.last_name,
        "E-Mail" = NEW.email,
        "Loginname" = NEW.login,
        "Passwort" = NEW.password,
        "Level" = NEW.level
  WHERE "Personalnummer" = OLD.id;

DROP RULE IF EXISTS users_ins ON myschema.users;
CREATE RULE users_ins AS ON INSERT TO myschema.users
  DO INSTEAD
  INSERT INTO public."TBLMitarbeiterSTM" (
    "Personalnummer", "Vorname", "Name",
    "E-Mail", "Loginname","Passwort", "Level"
  ) VALUES (
    (SELECT MAX("Personalnummer")+1
    FROM public."TBLMitarbeiterSTM"),
    NEW.first_name, NEW.last_name,
    NEW.email, NEW.login, NEW.password, NEW.level
  );

DROP RULE IF EXISTS users_del ON myschema.users;
CREATE RULE users_del AS ON DELETE TO myschema.users
  DO INSTEAD
  UPDATE public."TBLMitarbeiterSTM"
    SET inaktiv = true
  WHERE "Personalnummer" = OLD.id;
GRANT INSERT, UPDATE, DELETE ON myschema.users TO myrailsuser;

Zwei Besonderheiten wäre hier zu erwähnen. Beim Delete lösche ich nicht wirklich den Benutzer. Ich markiere ihn einfach nur als inaktiv und da der View solche Benutzer ausschließt, sieht es so aus, als wäre der Benutzer gelöscht worden. Und da die ursprüngliche Tabelle über keine Sequenz verfügt, um die IDs automatisch zu verteilen, habe ich mir mir einer Art Sequenz für Arme beholfen.

Ein paar Tests von der psql-Kommandozeile zeigten Erfolg. Die Regeln fangen die Zugriffe ab und leiten diese auf die ursprüngliche Tabelle um. Es stellte sich jedoch heraus, daß Rails trotz dieser Regeln kein Insert durchführen kann, da es die Existenz einer Sequenz voraussetzt, die ich in diesem Fall gar nicht habe. Da die ursprüngliche Tabelle auch über keine Sequenz verfügte. Leider ist mir dazu bislang keine Lösung eingefallen. Aber ich hoffe hier auf die Hilfe des Lazyweb.

Rails flash-helper

Flashes sind in Rails ein schöner Weg, um den Benutzer über Ereignisse zu benachrichtigen. Zufällig bin ich dabei im Web über diesen Helper gestolpert. Nette Sache, funktioniert allerdings nicht ganz wie erwartet, wenn man noch zusätzlich das Human Attribute Override Plugin benutzt. Die Attributnamen wurden dabei vom Flash-Helper nicht korrekt angezeigt. Glücklicherweise lies sich dieses Problem leicht lösen. Der geänderte Helper sieht nun also so aus:

def display_standard_flashes(message = 'Folgende Probleme verhinderten das Speichern:')
  if flash[:notice]
    flash_to_display, level = flash[:notice], 'notice'
  elsif flash[:warning]
    flash_to_display, level = flash[:warning], 'warning'
  elsif flash[:error]
    level = 'error'
    if flash[:error].instance_of? ActiveRecord::Errors
      flash_to_display = message
      flash_to_display << activerecord_error_list(flash[:error])
    else
      flash_to_display = flash[:error]
    end
  else
    return
  end
  content_tag 'div', flash_to_display, :class => "flash #{level}"
end

def activerecord_error_list(errors)
  error_list = '<ul class="error_list">'
  errors.each_full do |m|
    error_list << "<li>#{m}</li>"
  end
  error_list<< '</ul>'
end

Nun werden auch die mit attr_human_name definierten Attributnamen in den Meldungen dargestellt.

Partials und lokale Variablen

Meine erste Begegnung mit Partials in Ruby on Rails sah etwa so aus:

  render :partial => 'item', :collection => @items

Und in Partial selbst sah das meistens dann so aus:

<tr>
  <td><%= h(item.name) %></td>
  <td><%= item.price %></td>
</tr>

Ich ließ mich durch dieses Beispiel zu der Annahme verleiten, daß wenn die Collection oben aus @items besteht, die lokale Variable im Partial dann der Singular davon (in diesem Fall also item) sein müßte. Umso erstaunter war ich, daß folgendes nicht funktionierte.

  render :partial => "milestone/show", :collection => @project.milestones

Meiner Logik nach wäre nun im Partial die lokale Variable milestone. Da war Rails jedoch ganz anderer Meinung. Erst nach einem genaueren Studium von ActionView::Partials klärte sich die Fehleinschätzung auf. Der Name der lokalen Variable leitet sich aus dem Namen des Partials ab. Somit wäre der Name der Variable im zweiten Beispiel show. Das Partial für das zweite Beispiel sieht nun in etwa so aus:

<h3><%= h(show.name) %></h3>

Tücken von acts_as_list

Beim benutzen von acts_as_list in Ruby on Rails bin ich beim entfernen von Listenelementen auf eine Hürde gestoßen. Nach dem Entfernen des Listenelementes wurden die nachfolgenden Elemente nicht korrekt sortiert. Ich weiß nicht, ob ich was da falsch verstanden habe oder ob es sich um einen Bug handelt. Um letztenendes ein korrektes Verhalten meiner Liste zu erhalten habe ich folgenden Code benutzt:

child.remove_from_list
child.position = nil
parent.children.delete(child)

Es erscheint mir ein wenig umständlich, aber es funktioniert.