Wochentage, Etymologie für Anfänger

Manchmal bin ich ein wenig erschrocken darüber, mit welchen Themen ich mich so beschäftige. Nachdem mir ein Bekannter sein Audiobuch über die Geschichte der englischen Sprache lieh, bin ich total von der Entwicklung unserer Sprache fasziniert. Auf der Suche nach etwas ähnlichem über die deutsche Sprache, bin ich über die Etymologie der Wochentage gestolpert.

Woher kommen also die Bezeichnungen der Wochentage? Die Griechen und Römer benannten ihre Wochentage (meistens) nach ihren Göttern. Als die germanischen Völker dieses System übernahmen, ersetzten sie die Götter — soweit möglich — durch die germanischen Äquivalente. Heraus kamen unsere Wochentage:

Montag
Lateinisch hieß der Montag Dies Lunae (lat. Luna, Mond). Viele europäische Sprachen haben also Referenzen auf den Mond in ihrem Montag.

  • französisch: lundi
  • italienisch: lunedi
  • spanisch: lunes
  • englisch: monday
  • niederländisch: maandag
  • dänisch: mandag
  • schwedisch: måndag
Dienstag
Der Dienstag (lat. Dies Martis) war bei den Römern dem Gott Mars geweiht. Die Germanen ersetzten Mars durch Tyr (manchmal auch als Tiu/Ziu/Tiwas bezeichnet). Im der deutschen Sprache (und vermutlich auch in der niederländischen) hat sich eine Bezeichnung durchgesetzt, die auf Tyrs Beinamen Thingsus zurück. In einigen europäischen Sprachen ist noch die ursprüngliche Referenz auf Mars im Dienstag verblieben.

  • französisch: mardi
  • italienisch: martedi
  • spanisch: martes
  • englisch: tuesday
  • niederländisch: dinsdag
  • dänisch: tirsdag
  • schwedisch: tisdag
Mittwoch
Die Römer nannten den Mittwoch Dies Mercurii. Die Germanen ersetzten Merkur durch ihren Gott Odin (Wodan). Die deutsche und einige slavische Sprachen haben hier einen eigenen Weg beschritten. Ursprünglich begann die Woche mit dem Sonntag (in den USA immer noch). Damit war der Mittwoch tatsächlich die Mitte der Woche. Auch im Polnischen heißt es środa (poln. środa, Mitte). Die übrigen Sprachen sind bei Referenzen auf Merkur oder Odin geblieben.

  • französisch: mercredi
  • italienisch: mercoledi
  • spanisch: miércoles
  • englisch: wednesday
  • niederländisch: woendag
  • dänisch/schwedisch: onsdag
Donnerstag
Donnerstag hieß bei den Römern Dies Iovis und war dem Gott Jupiter geweiht. Jupiter war für Blitz und Donner zuständig. Die Germanen hatten eine Gottheit, die auch mit Blitz und Donner assoziiert wurde: Thor. Somit haben die Wochentage in den europäischen Sprachen meist eine Referenz auf Jupiter, Thor oder Donner.

  • französisch: jeudi
  • italienisch: giovedi
  • spanisch: jueves
  • englisch: thursday
  • niederländisch: donderdag
  • dänisch/schwedisch: torsdag
Freitag
Auch wenn es viele gerne so hätten, der Freitag hat nichts mit frei haben zu tun. :) Die Römer nannten den Freitag Dies Veneris nach der Göttin Venus. Venus wurden bei den Germanen zur Frigg (althochdeutsch Frîja, langobardisch: Frea). Somit hat der Freitag in den europäischen Sprachen immer eine mehr oder minder versteckte Anspielung auf Frigg oder Venus.

  • französisch: vendredi
  • italienisch: venerdi
  • spanisch: viernes
  • englisch: friday
  • niederländisch: vrijdag
  • dänisch/schwedisch: fredag
Samstag/Sonnabend
Im Deutschen gibt es gleich zwei Bezeichnungen für diesen Wochentag. Die Bezeichnung Sonnabend wird als meist als Vorabend des Sonntags gedeutet. Für Samstag muß man wohl wieder die alten Römer bemühen, die diesen Tag Dies Saturni nannten. Da die Germanen scheinbar keine Entsprechnung zum Gott Saturn hatten, hat der Samstag in den meisten europäischen Sprachen eine Referenz auf Saturn.

  • französisch: samedi
  • italienisch: sabato
  • spanisch: sábado
  • niederländisch: zaterdag
  • englisch: saturday (ganz offensichtlich)
  • schwedisch: lördag
  • dänisch: lørdag

Interessant ist, daß das dänische lørdag auch Waschtag bedeutet. In Deutschland galt der Samstag auch als Badetag.

Sonntag
Im Latein hieß es Dies Solis (lat. sol, Sonne) oder auch Dominica (Tag des Gottes). In den europäischen Sprachen findet sich also immer eine Anspielung auf diese Namen.

  • französisch: dimanche
  • italienisch: domenica
  • spanisch: domingo
  • englisch: sunday
  • niederländisch: zondag
  • dänisch: søndag
  • schwedisch: söndag

Ich sollte an dieser Stelle anmerken, daß ich weder Germanistik noch irgendeine andere Sprache studiere. Ich hatte auch nie Latein gelernt. Außer Deutsch, Englisch und ein wenig Polnisch spreche ich auch keine weiteren Sprachen. Sollte ich hier irgendwelche Fehler gemacht haben, so wäre ich für Hinweise dankbar.

Update: Die spanische Schreibweise von „sábado“ korrigiert. Danke Andrea für den Hinweis.

3 Antworten auf „Wochentage, Etymologie für Anfänger“

  1. Hallo, Samstag sagt man auf Spanisch nicht sábádo, sondern sábado: ein detailchen zu viel.  Schön, dass dich Sprachgeschichte interessiert! Sprachwissenschaft ist auch meine Leidenschaft.  Liebe Grüsse aus Mexiko!

  2. Lieber Martin,
    Sie schreiben: „Für Samstag muß man wohl wieder die alten Römer bemühen, die diesen Tag Dies Saturni nannten. Da die Germanen scheinbar keine Entsprechnung zum Gott Saturn hatten, hat der Samstag in den meisten europäischen Sprachen eine Referenz auf Saturn.“
    Die übersetzung vom römischen „Dies Saturni“ (Tag von Saturnus) findet man aber nur im niederländischen „zaterdag“ (Mnl. saterdag, Mnd. sater(s)dach; ofri. sāterdei, nfri. saterdei), und im englischen „Saturday“ (Sæter(n)es-, Sæterndæg); und in manchen deutschen Regionen in „sater(s)tag“.
    Der deutsche „samstag“ (sambaztag), der spanische „sábado“, der französische „samedi“, und der italienische „sabato“ sind alle abgeleitet vom lateinischen „sabbatum“ (sabbath).
    Liebe Grüsse aus den Niederlanden

  3. Guten Abend Martin,
    wollte nur noch ergänzen, dass Samstag in Island „Laugardagur“ – da springt einem ja förmlich die „Lauge“ (zum Waschen) ins Auge. Eine der Hauptstraßen in Reykjavik heißt dann auch „Laugarvegur“ – das soll angeblich daher kommen, dass zu früheren Zeiten die Frauen (am Samstag, dem Waschtag) diesen Weg nahmen, um zu den Quellen zu kommen, wo sich die Waschplätze befanden.
    Und beim Donnerstag ist den Isländer scheinbar nichts mehr eingefallen und sie nannten ihn „Fimmtudagur“ – was so viel heißen soll, wie „Fünftertag“.
    Da ich mich auch gerne mit „Sprache und Sprachen“ beschäftige, bin ich dir sehr dankbar für deine Ausführungen – ein echter Gewinn!.
    Grüße aus „Warmasia“ :)

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